Mein Name ist Rotkehlchen
DOPO-Freund Jochen Roß schickte uns wieder seinen Beitrag zu Pflanzen und Tieren in Langendreer, für den wir uns ganz herzlich bedanken:
Liebe Naturfreunde in Langendreer, ich freue mich sehr, dass ich mich heute in eurer Dorfpostille vorstellen darf. Mein Name ist Rotkehlchen, aber mancher von euch hat vielleicht früher einmal meinen alten Namen „Winterröschen“ gehört. In anderen Landschaften nannte man mich „Winterrötel“. Ihr kennt mich bestimmt: Meine leuchtend orangerote Brust bis zur Kehle, große Kulleraugen und der feierlich-wehmütige, etwas gepresste Gesang – das sind meine Markenzeichen. Von der Figur her wirke ich eher pummelig. Na, für das Foto in der Dorfpostille habe ich mich natürlich extra schlank gemacht. Jetzt im bevorstehenden Winter findet ihr mich besonders einfach! Gerade an milden Wintertagen verlasse ich regelmäßig mein Versteck in der dichten Hecke und besuche euch wegen der Beeren und Samenstängel in euren Gärten, mitunter sogar an euren Futterhäuschen. Außerdem fällt euch mein Gesang an stillen Wintertagen auf. Jawohl, ich singe auch im Winter meine berühmten, perlenden Lieder! Ihre hohe Tonlage ist für euch übrigens ein guter Ohrenprüfer: Manche von euch hören meinen Gesang nur mit „Aussetzern“. Sie können dann die Stellen mit sehr hohen Frequenzen leider nicht mehr wahrnehmen, obwohl ich durchgängig singe! Euer großer Musiker Beethoven konnte ja im Alter gar nicht mehr gut hören. Man sagt, in seiner Sinfonie „Pastorale“ habe er einen Vers von mir übernommen. Pooach! Im Frühling begegnen wir uns ja anfangs noch häufig, z. B. wenn ihr für mich eure Gärten umgrabt. Ihr wisst, dass ich besonders eure leckeren Würmer und Schnecken mag. Auch Spinnen und Insekten habe ich zum Fressen gerne! Aber später lebe ich versteckt und husche meistens sehr sicher in meinem dunklen Zuhause umher, einem tiefen Brombeergebüsch oder einem Reisighaufen. Dazu sind meine sehr großen Augen hilfreich! In solch dichtem Gesträuch oder in Baumhöhlen, aber immer in Bodennähe, legen wir Rotkehlchen unsere Nester an. Meine Frau und mich könnt ihr gar nicht unterscheiden, wir sehen fast gleich aus. Zur Brutzeit, wenn ich unser Revier mit kraftvollem Gesang gegen umherstreunende Männer verteidigen muss, hilft meine Frau sogar mit! Das ist ganz selten bei uns Singvögeln, dass auch die Frauen ihre Partner beim Gesang unterstützen! Ja, wir sind doch wirklich gleichberechtigte Partner! Ihr wisst sicher, dass Vogelmänner nicht aus Spaß oder Lebensfreude singen, sondern dass das harte Arbeit ist, um fremden Eindringlingen Respekt einzuflößen, damit sie nicht beim Brüten stören. Man braucht ja auch mal Urlaub… Im Juli oder August, wenn die Kinder selbstständig sind, ziehe ich mich zur Mauser zurück, dann bleibe ich vor euren Augen völlig verborgen. Mit dem Herbst beginnt für uns die Erholungszeit. Nun meint meine Frau, nach der anstrengenden Brüterei brauche sie ja auch mal richtigen Urlaub. Deshalb reist sie dann mit ihrem ganzen Frauenclub für einige Monate in den Süden bis zum Mittelmeer. Ich bleibe lieber hier in der Gegend, aber ich fühle mich nicht einsam. Denn unsere Verwandtschaft aus Dänemark und Skandinavien, wo der Winter bekanntlich richtig lebensfeindlich kalt werden kann, besucht uns dann hier „im Süden“, also in Langendreer und Umgebung. So könnt ihr eben auch im Winter immer viele „Winterröschen“ beobachten und singen hören. Bevor ich nun zum Abschluss komme, möchte ich noch mein kleines Anliegen vortragen: Ich mag nämlich keinen super aufgeräumten und überordentlichen Garten oder Park! Wenn ihr mir öfter hinterm Haus begegnen wollt, müsste ich in eurer Nähe schon viele Insekten, Spinnen und Beeren finden. Also pflanzt doch einfach schöne Blumen an, wegen der Insekten, und einige Beeren tragende Sträucher! Auch Steinmauern gefallen mir prima! Und spritzt bitte keine Biozide! Insektengifte machen nicht nur die Insekten, sondern auch mich ganz krank. Im Winter fliege ich aber auch gerne zu euren Futterhäuschen, wenn sie sauber gehalten werden und Äpfel, Beeren und zerstoßene Nüsse für mich dabei sind! Nun verabschiede ich mich wirklich mit meinem aufgeregten Zick-Zick-Zick und grüße euch herzlich! Ich freue mich auf unsere nächste Begegnung! Euer Rotkehlchen aus Langendreer. JR
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