Ruhrdeutsch mit Olle und Bengel:
Wir Blagen von damals
Hömma Bengel, weisse eigentlich, datt´we froh sein könn, datt´we noch lebn? Wie meinze datt denn getz !?! Überlech doch ma, Bengel. Wir Blagn, die vorde 70er Jahre groß geworn sind, da saßen we noch inne Autos ohne Sicherheitsgurt und ohne Airbag, als we mit unsre Alten in dat Dorf oder zum Alten Bannhof zum Einkaufn mit musstn oder späta mit unsre eigne Karre ins Magic, nach Appel oder inne Disco nach Bochum gefahn sind. Unsre Betten, die warn damals noch angemalt mit lauter giftige Farben. Die Püllekes ausse Apotheke konnze ohne Probleme aufmachn, genauso wie die Pulle mittm Bleichmittel. Türn und Schränke warn auch imma ne Bedrohung für unsre Fingerkes. Auffem Drahtesel hasse nie en Helm aufgehabt wenne durch Langendreer gefeecht bis. Wasser hasse außem Wasserhahn gesoffen und nich ausse Pulle. Morgns sind we zum Spieln außm Haus, warn den ganzn Tach wech und mussten ers nach Hause, wenn die Straßenlatüchtn angin. Keina hat gewusst, wowe warn und wir hattn noch nich ma en Handy dabei! Weil ed dat noch ganich gab. Odda als we mit unsre selbst gebastelte Seifenkistn die Bonifatiusstraße runner gefahn sind, is uns ers beide Fahrt aufgefalln, dattwe vergessn ham die Bremsen anzubaun. Aber damit sind we nach en paar Unfälln mit klar gekomm. Kannze dich auch noch an sonne Katastrofen erinnern? Man Olle, sicha kann ich datt. Wennwe zum Beispiel im Winter mittem Schlitten inne Bömmerdelle den Berg runner gerodelt sind und uns am nächstn Baum den Schädel brummich gekloppt ham, weilwe zu doof zum Lenken warn. Oder als we mit unsre Tretroller Rennen gefahn sind und wie we aus heitrem Himmel auf einma mittem Arsch inne Köttelbecke gelandet sind, bo man ey wat hamwe gestunkn. Wie oft hamwa uns geschnitten, die Knochen und die Zähne gebrochn, und keina wurde deshalb verklagt. Et warn ja nur Unfälle. Keiner hatte Schuld, außer wir selbst. Und niemand fragte nach „Aufsichtspflicht“. Ich könnt mich schief lachn, wennich an den ganzn Blödsinn denk, denwe früa so gemacht ham. Wir klopptn und schlugn uns manchmal grün und blau. Damit musstn we lebn, unsren Alten war dat egal. Vatta hat immer gesacht „Lass dir nix gefalln“ Damals aßen we noch Brot mit Magariene, trankn viel und wurdn trotzdem nich fett. Wir trankn mit unsern Freundn aus eine Pulle und keiner is drann kaputt gegan. Wir hattn auch keine: Playstation, ne, wir ham, wennwe durften, mal Tele Tennis, pick-pock …. pick …. pock …… anne schwatzweiß Glotze von unsre Alten gespielt. Sonne LC-Digsbumms-Flachglotze mit 150 Programme gab et damals noch nich, odda son Laptop, dat hieß bei uns Schulbuch odda MM DD, wenne weiß, wat ich meine. Nene, wir hattn Kumpels. Wir sind einfach raus und trafn uns auffe Straße. Odda wir latschtn einfach zu den nach Haus und klingeltn. Manchma brauchtn we gar nich klingeln und gingn einfach rein. Ohne Termin und ohne dat unsre Eltern dat wusstn. Keiner hat uns gebracht oder geholt ... Wie war dat nur möglich? Dat glaubt uns heute keiner mehr, dat wa mit Holzstöcke und Tennisbälle gespielt ham, die we uns ausse Büsche nebn dem Tennisplatz im Gartenwech geangelt habn. Mitte Stöcke hamwe uns auch nich viele Augen ausgestochn. Weisse noch, wie we Regenwürma gefuttat habn. Und die Prophezeiung is nie eingetren, dat die Würmer im Magen weiterlebn. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachn, wer gut wa. Wer nich gut wa, durfte nich mitspieln und musste damit klarkomm. Ich bin suuuper damit klar gekomm. sch…. Fußball. Manche Schüler warn nich so schlau wie andre. Die rasseltn durche Prüfung und musstn die Klasse noch ma machen. Dat führte auch nich gleich zu emotionaln Elternabendn oder zur Ändrung der Leistungsbewertung. Ne, die hattn meist nur gesacht „Blödmann, jetz kannze dat ganze Schulja nochma machen“. Manchma hatten unsre Tatn abba auch Konsequenzn. Wenn eina von uns gegn datt Gesetz verstoßn hat und wir inne Dördelwache auf unsre Alten wartn musstn, war klar, die Alten holn uns ausse Wache, aber nich aussem Schlamassl. Im Gegenteil: Die warn der gleichn Meinung wie die Polente! Und wenne nich aufgepasst has, hasse vonne Alten noch ein im Nacken gekricht und stundenlanget Palaver noch dazu. So wat abba auch! Da hasse natürlich ersma für nen paa Tage die Schnauze voll gehabt. Abba dann hamwe schon widda den nächstn Blödsinn im Kopp gehabt. Ja, so war dat eben. Unsre Generation hat jede Menge innovatiwe Problemlöser und Erfinder mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hattn Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit allet wussten wa umzugehn. Und du, du gehörs auch dazu. So, Bengel, getz weiße, warum ich noch froh bin, dat we lebn. Herzlichen Glückwunsch, Blagen, Wir leben noch So, jetzt hamwe ma so geschribn, wie uns der Schnabl gewachsn is, und wenn euch dat hier gefalln hat, könnta uns dat ja ma erzähln, und wenn nich, is uns dat auch egal. Wir machn weiter ... Also, bis die Tage! Andy Schmitt
Unsere Sprache
ratzen poofen ist hier das gebräuchlichste Umgangswort für schlafen. Was ‚allein’ oder ‚bei-schlafen’ beinhalten kann. ‚ratzen’ tut man tief und fest nach einem Rausch, wo man dann für das ‚dabei’ keinen Blick mehr hat. ‚Ratzen’ kommt aus der Zigeunersprache: ’Rat’ ist die Nacht, ‚Rats’ ist aber auch die Ratte. Nur: Wann schläft die mal?
rotzig ist das volkstümliche Wort für frech. Die ‚Rotzigen’ sind die Blagen, die weder auf die Eltern noch auf den Lehrer hören. ‚Unsere Rotzigen’ kann aber auch liebevoll gemeint sein. Wobei ein Rotzlöffel so unausstehlich sein kann und unangenehm wie ‚Rotz am Ärmel’
Schnösel ist ursprünglich ein schnodderiger Bengel, der noch ‚snot’ oder ‚Schnodder’ in der Nase hat. Verwandt mit Rotzbengel. Ein ‚Schnösel’ ist schon etwas weiter, er hält die Nase hoch.
Schocken sind Schuhe – nicht nur beim Fußball, sondern allgemein. ‚Dat haut dich glatt ausse Schocken’ bedeutet etwas ganz Außergewöhnliches. ‚Der geht ganz schön inne Schocken’ sagt man bei einem Hochprozentigen , der dich sogar aus den ‚Schocken’ hauen kann.
Wie immer aus: Jürgen Meyer, wat is wat?, Das Ruhrstadt-Wörterbuch GK
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