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Davidstern in Langendreer – Aufgang und Untergang

Eine neue Publikation zur Langendreerer Geschichte

juden2Im Bürgersteig vor dem Eckhaus Alte Bahnhofstraße / In der Helle liegen seit einigen Jahren zwei „Stolpersteine“. Nicht, dass man körperlich darüber stolpert. Es sind 10x10 cm große Pflaster­steine, die sich von den anderen dadurch unterscheiden, dass sie einen metallenen Überzug haben, in den die Namen und Lebensdaten zweier jüdischer Langendreerer Mitbürger aus der Zeit des Drit­ten Reiches eingraviert sind, die dort wohnten und arbeiteten, bevor sie in Auschwitz umgebracht wurden.
Dass sie nicht die einzigen jüdischen Menschen aus Langendreer waren, die im Holocaust umgekom­men sind, offenbart eine Publikation, die in diesen Tagen erschienen ist und das Schicksal von nicht weniger als 15 jüdischen Mitbürgern aus unserem Stadtteil beschreibt, deren Leben in den Konzen­trations- und Vernichtungslagern der Nazis endete. Beschrieben wird aber nicht nur ihr Weg in diese schreckliche „Endlösung“, sondern auch der vorausgegangene Leidensweg aller derjenigen, die geschäftlich und gesellschaftlich boykottiert oder gar im SA-Heim an der Kaltehardt­straße gefoltert wurden, die Langendreer Hals über Kopf verlassen haben und ins Ausland emigriert sind (um zum Teil dann doch noch von der deutschen Besatzungsmacht in Holland und Frankreich aufgespürt und in die Gaskammern geschickt zu werden).

Clemens Kreuzer hat den Weg der Juden aus Langendreer durch die nationalsozialistische Verfolgung detailliert recherchiert; das meiste von dem, was er nun darstellt, war bisher unbekannt.
Dabei wird das  Schicksal Langendreerer Juden im Nationalsozialismus  erst im dritten Teil seiner Arbeit geschildert. Kreuzer, von dem inzwischen ein halbes Dutzend Bücher, Buch- und Zeitschriften­bei­träge zur Geschichte Langendreers  (neben weiteren zu anderen Themen) vorliegen, wollte auch, aber nicht nur, aus der Perspektive der Gedenkkultur schreiben. Das Schicksal hiesiger Juden in der NS-Zeit war Anlass, die Geschichte des kleinen jüdischen Bevölkerungsanteils von Langendreer (1927 waren von 27800 Einwohnern 91 Juden) auch vor der NS-Zeit zu erforschen, als weiterer Beitrag zur Geschichte des Ortes.
Daher beginnt der erste Teil der Veröffentlichung mit den Juden im ehemaligen Bauerndorf Langen­dreer, den gelegentlichen Besuchen ambulanter jüdischer Händler im 18. Jahrhundert und den ersten jüdischen Familien, die hier im 19. Jahrhundert ansässig wurden: als Metzger, Trödler oder so genannte „Handelsjuden“. Es waren nur einige wenige und ihr Leben auch damals schon nicht einfach, galten sie in preußischen Amtsstuben doch häufig als prinzipiell verdächtig. Kreuzer schildert dann im 2. Teil seiner Arbeit, wie sich in der „Gründerzeit“ der aufstrebenden Industriegemeinde des ausge­hen­den 19. und frühen 20. Jahrhun­derts insbesondere am Alten Bahnhof zahlreiche jüdische Kauf­leu­te niederließen und beschreibt die Entwicklung der kleinen jüdischen Bevölkerungsgruppe bis hin zum Dritten Reich.
„Davidstern in Langendreer – Aufgang und Untergang“ lautet der Titel der 90-seitigen Publikation, auf dem Umschlag illustriert mit jenem sechszackigen Stern, der ein uraltes Symbol des Judentums ist. Hier erscheint er nur als Torso und im Hintergrund, um zusammen mit dem Titel die Entstehung der jüdischen Bevölkerungsgruppe im Orte und ihr radikales Ende zu kennzeichnen. „Jüdische Men­schen in der Langendreerer Geschichte von 1815 bis 1943“  werden nach dem Untertitel beschrie­ben, eingebettet in die geschichtliche Entwicklung des Ortes und quellenmäßig akribisch belegt.

Das Buch ist in der Verlagsbuchhandlung  Gimmerthal, (Bochum-Langendreer, Alte Bahnhofstraße 39) erschienen und dort wie auch im übrigen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-00-036533-1)  Dass es für 8,90 Euro angeboten werden kann, ist dem Verkehrs- und Geschichtsverein Langendreer/Werne e.V. zu danken, der die Herausgabe übernommen und die Herstellung finanziell gefördert hat, weil es ihm  - so der Vorsitzen­de Dr. Hans-Hagen von Döhren im Geleitwort - ein Anliegen ist, die Geschichte der Region leben­dig zu erhalten. Deshalb habe der  Verein schon früher historische Veröffentlichungen, z.B. des inzwischen ver­stor­benen Dr. Herbert Dierkes, herausgegeben und wolle  diese Tradition mit der Arbeit von Clemens Kreuzer fortsetzen.

Juden1Stolpersteine
(aus der DOPO Nr.114)

STOLPERSTEINE ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die Steine sollen an die Opfer des NS-Regimes erinnern – an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, von Zigeunern, von Homosexuellen, von Euthanasieopfern, von politisch Verfolgten und von Zeugen Jehovas. Auf jedem Stein stehen der Name, das Geburtsjahr sowie Daten zur Deportation und, wenn bekannt, Daten zur Ermordung der jeweiligen Person. Die Idee ist, die Menschen und ihre letzten „selbstgewählten“ Wohnorte in Erinnerung zu behalten, denn laut Gunter Demnig ist ein Mensch „erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Internetseite www.stolpersteine.com).
Bitte stolpern Sie nicht über die STOLPERSTEINE von Meta und Max Heimann. Passen Sie genau auf, wenn Sie am Schlecker auf der Alten Bahnhofstraße (Nr. 6) vorbei laufen, denn genau da liegen diese zwei STOLPERSTEINE.
Bemerkenswert an dem Projekt STOLPERSTEINE ist aber auch, dass es ein „Mitmach-Projekt“ ist. Für jeden Stein muss ja vorher eine ganze Menge recherchiert und nachgelesen werden. Das heißt, dass jeder Interessierte oder interessierte Schulklassen die Patenschaft eines Steins übernehmen können. Bei uns in Bochum können sich Interessierte an das Stadtarchiv auf der Wittener Straße wenden (E‑Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) Oktober.
Die Patenschaft der Steine von Meta und Max Heimann hat der Langendreerer Clemens Kreuzer übernommen. Er recherchierte zur Familie Heimann, und im November 2007 wurden dann „unsere“ Steine von Gunter Demnig verlegt.                   
  BC


STOLPERSTEINE ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die Steine sollen an die Opfer des NS-Regimes erinnern – an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, von Zigeunern, von Homosexuellen, von Euthanasieopfern, von politisch Verfolgten und von Zeugen Jehovas. Auf jedem Stein stehen der Name, das Geburtsjahr sowie Daten zur Deportation und, wenn bekannt, Daten zur Ermordung der jeweiligen Person. Die Idee ist, die Menschen und ihre letzten „selbstgewählten“ Wohnorte in Erinnerung zu behalten, denn laut Gunter Demnig ist ein Mensch „erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Internetseite www.stolpersteine.com).