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Straßenbahnbau-Tagebuch eines Anwohners zum Projekt 310

STRATABU (November 2010)

Es gibt Fragen die sind zeitlos gut und werden deshalb immer wieder gestellt. Dazu gehören diese: Wann steigt der VfL wieder auf? Wird Schalke nach über 50 Jahren „ohne“ jemals wieder Deutscher Meister?
Aber eben auch: Wann wird und ob überhaupt die Straßenbahn 310 gebaut?  Da der Wind die Blätter von den Bäumen bläst, der Winter kommt und damit auch der unbestrittene Höhepunkt der Winterzeit, nämlich der Weihnachtsmarkt im Dorf (siehe Seite 29), wird die ewig altjunge Diskussion um die 310 auch 2010 an den Ständen des Marktes das Topthema im Dorf sein. Zwar meinen manche, der Argumente seien nun genug gewechselt worden und sie wollen endlich Entscheidungen sehen, aber gemach.
Noch muss das Projekt einige Hürden nehmen.
Hürde 1.: Die Erörterung und Entscheidung der Einsprüche beim Regierungspräsidenten in Arnsberg.
Die große Welle der grundsätzlichen Ablehnungsbegehren ist zwar schon vor Jahr und Tag im Juni 2008 eingereicht worden, aber noch immer warten die Petenten auf den vorgeschriebenen Erörterungstermin. Die Standardantwort aus Arnsberg auf die Wann-Frage lautete bisher:“nicht vor den Sommerferien“  und auch: „nicht vor Jahresende.“ Nur, welcher Sommer und welches Jahresende gemeint waren, blieb offen.
Doch es hat sich einiges getan. Auf Grund von Einwendungen und besserer Einsicht hat die Bogestra ihre Planungen überarbeitet (die DOPO berichtete!) und zwei Veränderungen vorgenommen. Die avisierte Haltestelle Wernburgastraße  entfällt und im Bereich Marktplatz/Denkmal wird Privatbesitz besser geschützt.
Mit der aufgegebenen Haltestelle Wernburgastraße wird es weniger Eingriffe in den Baumbestand geben und mehr Parkplätze werden erhalten. Auch der Verkehrsfluss auf der Unterstraße  wird in Höhe Wernburgastraße nicht mehr so stark wie geplant beeinträchtigt werden.
Diese Änderungen sind als Ergänzungen in das Planfeststellungsverfahren aufgenommen worden, ausgelegt worden und neue Einwände waren nun bis Ende Oktober  möglich. Dadurch hat sich der Termin für die große öffentliche Erörterung weiter verschoben. Auf wann? Auskunft aus Arnsberg:“Nicht vor Jahresende“, aber auch: „so um Karneval“. Und da die Karnevalaktivitäten in Langendreer beschränkt sind, kann mit dem Termin wohl jede Frau und jeder Mann leben.
Hürde 2.: Mit der Regierungsbildung von Rot und Grün in Düsseldorf war klar, dass die Uhr für den Regierungspräsidenten Diegel(CDU) in Arnsberg abgelaufen war. Die Bochumer Politiker haben ihm keine Träne nachgeweint, zu sehr hatte er sie gepiesackt und über Stöckchen springen lassen. Die Bochumer IHK hat hingegen in Diegel ein großes Talent erkannt und ihn deshalb zum Jahreswechsel als Hauptgeschäftsführer eingeworben. Das ist in vielerlei Hinsicht pikant. Aber für Gegner und Freunde der 310 besonders. Wird Diegel die ablehnende Haltung der IHK mit Verve fortführen, wird er selbst die IHK bei der Anhörung vertreten und seine ehemaligen Untergebenen von den Argumenten der IHK überzeugen können? Oder wird Diegel Einsicht zeigen und das Projekt, das auch auf der Prioritätenliste der alten Landesregierung stand, neu bewerten und um des lieben Friedens willen passieren lassen? Hier ist viel Platz für Spekulationen und heiße Diskussionen. Mehr dazu dann „so um Karneval“.
Hürde 3.: Auch der Eneppe Ruhr Kreis ist klamm und blank und muss sparen. Das tut er auch im Nahverkehr und bestellt weniger Leistungen bei der Bogestra, die ja für die Stadt Witten die 310 neu bauen will. Aber nicht die Stadt Witten, sondern der Kreis EN bestellt die Verkehrsleistungen. Wer bestellt, muss auch zahlen. Deshalb wurde im Kreistag und im Kreisausschuss heftig gestritten und die Signale, die die 310 Planer erhielten, waren düster: jedes Jahr 7% weniger Mittel für den ÖPNV. Noch vor Baubeginn Kürzungen bis letztendlich vielleicht ein Drittel? Aus und vorbei für die 310! Sektkorken hätten in Palästen und Oasen geknallt- Tränen wären bei den Freunden des Schienenverkehrs geflossen.
Doch in letzter Minute entschied der Kreisausschuss: Sparen ja! Aber nicht bei der 310 - die hat Zukunft in BO und En.
3 Hürden standen. Eine ist weggeräumt. Die anderen beiden stehen noch. Genug Stoff für das Straßenbahntagebuch STRATABU auch in 2011.
Allen Beteiligten, Gegnern und Befürwortern friedliche Weihnachten und ein Jahr der Entscheidungen wünscht
Eli