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„Die Tafel“ auch in Langendreer

Auch in der DOPO-Redaktion waren einige ganz erstaunt:
Ja, wir haben in Langendreer eine Ausgabestelle der Wattenscheider Tafel e.V.

Mittwochs morgens herrscht schon ab 8.30 Uhr ein munteres, fleißiges Treiben im Evangelischen Gemeindehaus in der Wittenbergstraße 4-5. Ehrenamtliche kochen Kaffee, schmieren Brötchen und decken die Tische. Denn immer wieder mittwochs wird das Gemeindehaus der Lutherkirche zur Ausgabestelle der Wattenscheider Tafel e.V. Außerdem gibt es vor der Essensausgabe ein Frühstück für Tafel-Berechtigte.
Das Frühstück geht um 10 Uhr los, kostet 50 Cent und derzeit kommen 10 bis15 Berechtigte. Einige der Ehrenamtlichen, die später bei der Lebensmittelausgabe helfen, sind selbst Berechtigte und stärken sich schon mal bei Kaffee und Brötchen; gelegentlich gibt es sogar leckeren Kuchen. Fast alle kennen sich – es wird getratscht und gelacht, und falls nötig, werden auch anfallende Probleme besprochen.

tafelZwischen 10.30 und 10.45 Uhr wird das Frühstück abgeräumt, die Stühle werden beiseite geschoben und dann gilt es, auf den Wagen der Wattenscheider Tafel e.V. zu warten. Auf dem Hof hinter dem Gemeindehaus stehen mittlerweile schon rund 40‑50 Personen. Wenn der Wagen kommt, werden die vollen Körbe rein getragen und in einer festen Reihenfolge aufgestellt. Das Team aus Ehrenamtlichen, die bei der Essensausgabe helfen, besteht aus 8‑9 Personen, wobei jeder seinen festen Platz hat. Hier merkt man schnell: Das ist ein eingespieltes Team.

Tatsächlich gibt es die wichtigsten Lebensmittel: Äpfel, Bananen, Trauben, Salat, Kartoffeln und Karotten; außerdem Wurst, Käse, Joghurt, Milch und Brot. Das Angebot ist reichhaltig. Wenn aber mal weniger da ist, muss eben zwischen Wurst und Käse gewählt werden, wobei zu betonen ist, dass die Tafel nur eine Ergänzung zum wöchentlichen Einkauf sein soll, der Wochenbedarf kann durch die Tafel nicht gedeckt werden. Zudem darf jeder natürlich nur für die im Haushalt lebenden Berechtigten einkaufen. Insgesamt kommen jede Woche zwischen 50 und 60 Leute, die für rund 100 Berechtigte einkaufen.

Um bei der Tafel einkaufen zu können – denn jeder muss pro berechtigte Person 1€uro zahlen – müssen die entsprechenden Unterlagen und der Personalausweis mitgebracht werden.

Als Nachweis über Bedürftigkeit gelten zum Beispiel entsprechende Hartz IV- oder BaföG-Bescheide, ebenso wie der Bescheid über Ergänzungsleistung bei zu geringer Rente. Die Formalitäten gehen recht schnell und werden direkt vom Verantwortlichen hier in Langendreer erledigt – es muss also niemand vorher nach Wattenscheid reisen. Dann erhalten die Berechtigten eine 4‑stellige Nummer, die auch nur für die Ausgabestelle im Gemeindehaus der Lutherkirche in Langendreer gilt. Allerdingshaben sich die Verantwortlichen in Langendreer noch etwas Besonderes ausgedacht: Damit es eine faire Verteilung gibt, also die Ersten nicht immer die besten Sachen erhalten, wurden alle 4‑stelligen Nummern in fünf Farbgruppen unterteilt. So rotieren die Farbgruppen nun seit gut zwei Jahren und jede Gruppe ist mal als erste und mal als letzte dran.

Nach Angaben langjähriger HelferInnen hat die Ausgabe der Lebensmittel  im Jahr 2000 begonnen – also noch im gleichen Jahr, indem die Wattenscheider Tafel e.V. gegründet wurde. Die Idee, sich an der Essensausgabe zu beteiligen, kam im Männerkreis der Luthergemeinde auf und wurde schnell verwirklicht. Zuerst wurden 20‑30 Tüten im Keller des Gemeindehauses ausgeteilt, bis die Ausgabe dann ins Forum der Lutherkirche verlegt wurde. Der Bedarf stieg auf bis zu 120 Tüten. Seit 2004/2005 findet die Lebensmittelausgabe nun wieder im Gemeindehaus statt – natürlich nicht mehr im Keller, sondern im großen Gemeindesaal. Und Tüten gibt es auch schon lange nicht mehr. Die Lebensmittel kommen in Boxen nach Langendreer und die Berechtigten bringen ihre eigenen Taschen und Trollies mit. Vorher noch ein Frühstück anzubieten, wurde durch die Küche im Gemeindehaus möglich. Auch hier fanden sich schnell ehrenamtliche HelferInnen, die sich morgens einfinden, alles herrichten und nach dem Frühstück wieder für Ordnung sorgen.

Alle HelferInnen im Gemeindehaus arbeiten Hand in Hand. Dank der Ehrenamtlichen des Frühstücks, der Essensausgabe und, nicht zu vergessen, der Damen der Kleiderkammer (über die wir schon in der DOPO 113 berichteten) läuft hier alles wie am Schnürchen. So viel Schaffensdrang, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begeistert und steckt hoffentlich Weitere an.
BC

Weitere Informationen durch Pfr. Joachim Gentz:

Tatkräftige Unterstützung durch die Geschäftsleute
Tatkräftige und nachhaltige Unterstützung erhalten die Ehrenamtlichen der Evangelischen Kirchengemeinde schon jetzt durch die Geschäftsleute und die Bevölkerung am „Alten Bahnhof“. Mit Hilfe der „Schweinchen“  (Spardosen mit Hinweisen auf den Sammelzweck) in den Läden wird für diese Arbeit
gesammelt. Das Geld kommt vornehmlich den Kindern der Ausgabeberechtigten zu Gute, indem die Gemeinde Gutscheine für Schulsachen ausgibt (in diesem Jahr 17 Stück im Wert von 340 €) und zum Weihnachtsfest und zu Ostern spezielle Tüten für Familien mit Kindern packt.
Darüber hinaus starten einige Geschäftsleute eigene Projekte wie zum Beispiel Spielsachen- oder Stofftiersammlungen und bereichern so die Gaben für die Bedürftigen.
Hilfreich ist es dann, mit  Pfarrer Joachim Gentz (Diakoniebeauftragter der Ev. Kirchengemeinde Langendreer; Tel. 286657) Kontakt aufzunehmen, damit die Aktionen abgestimmt und koordiniert werden können.

Darüber hinaus sei den zahlreichen Anwohnern, Geschäftsleuten und Vereinen gedankt, die diese Arbeit durch Geld- oder Sachspenden unterstützen. Es zeigt, dass der Einsatz der Ehrenamtlichen wertgeschätzt wird und die Not Anderer den Menschen am „Alten Bahnhof“ nicht gleichgültig ist.