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130 Jahre Schule im OberdorfSchuleOberstr.

Eine Zeitreise (2. Teil)

Begann unsere Reise (DOPO Nr.113, 1.Teil) mit der Einweihung der Schule 1879, so endete sie damit, dass 1929 Langendreer/Werne nach Bochum eingemeindet wurden und bald darauf, 1933, die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen – was sich schließlich auch auf die Geschichte der Schule auswirkte. An der Stelle setzen wir also die Zeitreise fort:

Die Zeit des sogenannten Dritten Reiches, das die junge Republik zerstörte,  und der zweite Weltkrieg griffen stark ins Leben der Menschen ein, brachten schließlich Not und Elend. Dies galt natürlich auch für die Schulen. Alle Beamten, und dazu gehörten  natürlich auch die Lehrer, hatten ihren Amtseid zu erneuern, wenn sie weiter im Dienst bleiben und keine Repressalien erleiden wollten. Dieser Eid wurde direkt auf den „Führer“ und nicht mehr dem Staat geleistet. Die Personalakten des damaligen Schulleiters Karl Bierbrodt und des Hauptlehrers Adolf Wienke sind uns erhalten geblieben und sprechen beredtes Zeugnis. Sie enthalten unter anderem auch deren beider Eide vom 5. September 1934. An dieser Stelle sei ausdrückliche darauf hingewiesen, dass daraus nicht unbedingt auf die politische Einstellung dieser Personen geschlossen werden kann und darf. Aber es zeigt deutlich den öffentlichen politischen und rechtlichen Umbruch und dessen Entwicklung in die Katastrophe.
Ein weiteres untrügliches Merkmal, wie sehr Zeitgeist und politische Zwänge  sich auswirkten, sieht man auch in dem neuen Namen, den die Friedrichschule nun erhielt.
Während auf den Zeugnissen des Sommerhalbjahres 1940 der Schulstempel mit der Bezeichnung „Volksschule Oberstraße“ zu lesen ist, heißt es im Winterhalbjahr 1940/41 schon „Schlageter - Schule“. Albert Leo Schlageter (1894-1923) orientierte sich nach dem 1. Weltkrieg an den „nationalrevolutionären Rechten“ , wurde Mitglied verschiedener Freikorps und der NSDAP und war an der Organisation und Durchführung von Sabotageakten  während der Ruhrbesetzung beteiligt. Ein französisches Militärgericht verurteilte ihn dafür zum Tode. Am 26.05.1923 wurde er hingerichtet. Die Nationalsozialisten haben ihn als einen ihrer Märtyrer angesehen, ihm zahlreiche Denkmäler errichtet, Schulen seinen Namen gegeben, ja sogar ein Kriegsschiff nach ihm benannt. In der Langendreerer Bevölkerung hat sich der Name aber wohl nicht durchgesetzt oder ist verdrängt worden. Spricht man mit älteren Mitbürgern, die diese Zeit noch selbst erlebt haben, wird immer nur von der Friedrichschule gesprochen.
Die Ruhrbesetzung selbst wirkte sich auch auf den Schulbetrieb aus. Weil die Franzosen 1923 die Hasselbrinkschule beschlagnahmt hatten, mussten Friedrichschule und Hasselbrinkschule sich die Räume an der Oberstraße teilen. Das hieß Unterricht im Schichtbetrieb.
Von Beginn des 2. Weltkrieges an ist in der Schule eine Bezugsscheinstelle untergebracht. Über dieses Bezugsscheinsystem wurde die absolute Mangelversorgung der Bevölkerung organisiert und verwaltet.
Im Verlaufe des Krieges verstärkten sich die Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte auf die Industrieregion an Rhein und Ruhr stetig. Ein regelmäßiger und vor allem für die Kinder sicherer Schulbetrieb war bald nicht mehr möglich. Deshalb evakuierten die Nationalsozialisten die Schulen in ungefährdetere Regionen auf dem Lande. Die Schlageterschule wurde am 17. März 1943 nach Reetz in Pommern verlegt. Die Kinder mussten dort am Unterricht teilnehmen. Die Umquar                   tierung betraf natürlich auch den Lehrkörper. Von den beiden bereits erwähnten Lehrern kehrte keiner wieder an seine alte Schule zurück. Rektor Bierbrodt wurde 1944 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Adolf Wienke übernahm, als das Schulsystem sich ab 1946 langsam wieder normalisierte, zunächst kommissarisch und ab 1948 offiziell die Leitung der Kreyenfeldschule in Werne bis zu seiner Pensionierung 1957.
Auch die Friedrichschule nahm 1946 den Lehrbetrieb wieder auf, zunächst unter der Leitung von Rektor Hardt, ab 1949 war dann Rektor Gronemann Schulleiter. Zu diesem Zeitpunkt besuchten schon wieder 430 Kinder diese Schule. Der Wandel nahm seinen Lauf. Wenn es zunächst noch üblich war, Jungen und Mädchen getrennt zu unterrichten, so war bald Koedukation das Gebot der Stunde und eine Verlängerung der Schulzeit auf neun Jahre. Die nächste wirklich große Veränderung kam mit der Abschaffung der guten, alten Volksschule. Aus der Volksschule wurde in den Sechzigern und Siebzigern des 20. Jahrhunderts Grund- und Hauptschule, wie wir sie jetzt kennen.
Die „Friedrichschule“ wurde Mitte der sechziger Jahre Grundschule.
Und immer mehr Schulen werden heute Ganztagsschule, hier an der Oberstraße seit 2003, an der Somborner Straße seit 2005.
Von morgens 7.30 Uhr bis nachmittags 16.00 Uhr werden die Kinder betreut. Angefangen vom gesunden gemeinsamen Frühstück und  über mehr Zeit für Bildung und Erziehung gibt es Raum für individuelle Förderung, musisch-kulturelle Bildung, Bewegung, Spiel und Sport. Und in den Ferien werden Projekte zu spannenden Themen angeboten.
Die Schülerzahlen sind  an vielen Schulen zurückgegangen und haben mancher dann auch das Aus beschert. Auch an der Oberstraße „rauchen“ längst nicht mehr so viele Kinderköpfe wie früher. Das gleiche gilt für die 1956 gegründete und ca. 2 km entfernte Schule an der Somborner Straße 22, die seit 1973 Grundschule ist. Deshalb sind diese beiden Schulen nun seit 2008 zu einer Verbundschule zusammengeschlossen worden. Eine neue Herausforderung für die jetzige Schulleiterin Brigitte Fritsche und ihr Team. Zwei Schulen, die durch Bahn und Opelwerk geographisch getrennt sind, deren Kinder in zwei verschiedenen Stadtbezirken wohnen, sollen nicht nur formal eine Einheit bilden. Sie sollen tatsächlich zusammenwachsen. Es muß also nicht nur organisiert werden, Kinder  zum Sport- und Schwimmunterricht zu fahren - denn Turnhalle und Lehrschwimmbecken gibt es nur an der Somborner Straße - vielmehr soll ein „Wir“- Gefühl entstehen.
Eine fantastische Gelegenheit, damit anzufangen, bot die 130-Jahr-Feier im letzten Jahr. Gemeinsam planten alle Kinder beider Schulen in der Woche nach den Herbstferien zusammen mit dem Zirkus Sperlich ein großes Zirkusprogramm  und studierten es ein.
Am 30. und 31. Oktober zeigten dann die Kids in öffentlichen Aufführungen ihr Können.
Außerdem wurde ein gemeinsamer Name für die beiden Schulen gefunden und damit ebenfalls ein Zeichen gesetzt für eine gemeinsame Zukunft: Michael Ende-Schule.
Wir gehen also spannenden Zeiten entgegen. Die alte Schule mit Schiefertafel, Kreide und Rohrstock gibt es schon lange nicht mehr, aber auch so wie heute wird es sicher nicht immer bleiben.
Wer weiß schon, was die Enkel und Urenkel dereinst über die Schule ihrer Ahnen berichten werden.
GK
 
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