Vorsicht, STOLPERSTEINE!
Bitte stolpern Sie nicht über die STOLPERSTEINE von Meta und Max Heimann. Passen Sie genau auf, wenn Sie am Schlecker auf der Alten Bahnhofstraße (Nr. 6) vorbei laufen, denn genau da liegen diese zwei STOLPERSTEINE.
In der Bochumer Innenstadt gibt es schon mehrere dieser Erinnerungssteine, hier in Langendreer erst zwei. Die zwei Steine von Meta und Max Heimann sind direkt vorm Schlecker, an der Ecke Alte Bahnhofstraße – In der Helle, in den Boden eingelassen. Meta und Max Heimann lebten und arbeiteten mit weiteren Familienmitgliedern in dem (Geschäfts-)Haus Alte Bahnhofstraße 6 (damals noch Kaiserstraße) mindestens seit Mitte der 1920er Jahre. Während der andauernden Boykotte gegen die Juden lebten sie noch eine Weile in Langendreer, mussten allerdings noch vor ihrer Deportation nach Theresienstadt 1942 das Haus verlassen und wurden wie so viele andere jüdische Hausbesitzer enteignet.
STOLPERSTEINE ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die Steine sollen an die Opfer des NS-Regimes erinnern – an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, von Zigeunern, von Homosexuellen, von Euthanasieopfern, von politisch Verfolgten und von Zeugen Jehovas. Auf jedem Stein stehen der Name, das Geburtsjahr sowie Daten zur Deportation und, wenn bekannt, Daten zur Ermordung der jeweiligen Person. Die Idee ist, die Menschen und ihre letzten „selbstgewählten“ Wohnorte in Erinnerung zu behalten, denn laut Gunter Demnig ist ein Mensch „erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Internetseite www.stolpersteine.com).
In ganz Deutschland können wir über STOLPERSTEINE stolpern. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 500 Verlegungsorte, an denen mindestens ein STOLPERSTEIN zu finden ist. Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern finden sich STOPERSTEINE. Erst im Januar dieses Jahres verlegte Gunter Demnig 31 Steine in Rom. An acht Verlegungsorten der italienischen Hauptstadt sollen die Steine an 31 NS- und Faschismus-Opfer erinnern, unter ihnen auch 12 Carabinieri.
Bemerkenswert an dem Projekt STOLPERSTEINE ist aber auch, dass es ein „Mitmach-Projekt“ ist. Für jeden Stein muss ja vorher eine ganze Menge recherchiert und nachgelesen werden. Das heißt, dass jeder Interessierte oder interessierte Schulklassen die Patenschaft eines Steins übernehmen können. Bei uns in Bochum können sich Interessierte an das Stadtarchiv auf der Wittener Straße wenden (E‑Mail:
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). Anfangs berät der Zuständige im Stadtarchiv bei der Wahl der Person, für den ein STOLPERSTEIN entstehen soll, aber auch während der Recherchen bekommen die Paten dort fachkundige Hilfe. Sind dann die wichtigsten Daten und Fakten des Lebenslaufs zusammengetragen, kann Gunter Demnig den STOLPERSTEIN anfertigen und verlegen. Wie die Ergebnisse der Recherchen zu den jeweiligen Personen präsentiert werden, bleibt den Paten selbst überlassen. Herr Halwer vom Stadtarchiv berichtet von verschiedenen Präsentationen von Schulklassen, aber auch von ruhigen Zeremonien, bei denen sich die Paten im Hintergrund hielten. Gunter Demnig kommt seit der ersten Verlegung 2004 jedes Jahr nach Bochum und verlegt an acht bis zehn Verlegungsorten. Mehr sei logistisch eigentlich nicht machbar, erklärt Herr Halwer. Auch für dieses Jahr ist schon ein Termin vereinbart: der 4. Oktober.
Die Patenschaft der Steine von Meta und Max Heimann hat der Langendreerer Clemens Kreuzer übernommen. Er recherchierte zur Familie Heimann, und im November 2007 wurden dann „unsere“ Steine von Gunter Demnig verlegt. Laut Herrn Kreuzer war es anfangs auch gar nicht so einfach, Genaueres zu der Familie zu finden. Bis heute sind noch viele Fragen offen, und Herr Kreuzer freut sich natürlich über jede noch so kleine Information, die er bekommen kann. Falls also unsere LeserInnen noch etwas zu diesem Thema erzählen können, hört Herr Kreuzer gerne zu. Melden Sie sich bei Ihm oder bei der DOPO!
Die Geschichte von Meta und Max Heimann hat Clemens Kreuzer mit einer Geschichte der Juden in Langendreer verbunden und unter diesem Titel als Privatdruck im Stadtarchiv hinterlegt. Auf den rund 40 Seiten geht er auf die Geschichte der Juden in Langendreer und speziell natürlich auf die Familiengeschichte der Heimanns ein. Die Arbeit ist für alle, die Interesse an der Geschichte Langendreers und Bochums haben. Wie oben schon erwähnt, gibt es zwar noch einige Lücken, doch die wichtigsten Daten, die für die STOLPERSTEINE nötig waren, konnte Herr Kreuzer finden.
Übrigens, aktueller kann die DOPO fast nicht mehr werden: Am 12. Juli 2010 um 19.30 Uhr hält Herr Kreuzer einen Vortrag zur Geschichte der Juden im Wirtshaus Hiby, Baroper Straße 27. Der Vortrag ist öffentlich und wird vom Geschichts- und Verkehrsverein Langendreer veranstaltet. BC
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