Leserbrief zu STRATABU
Das STRATABU (Straßenbahntagebuch) schreibt seit einigen Ausgaben unser Redakteur und Unterstraßenanwohner EL. Durch dessen Äußerungen in der DOPO,112 , fühlte sich unser Ex-Redakteur Sascha, der sich in den neunziger Jahren erheblich um die DOPO verdient gemacht hat, herausgefordert zu einem Leserbrief, den wir nicht in einen Blog setzen, sondern veröffentlichen. Der Inhalt wird letztlich durch die 13 Kommentare ergänzt, die wir oben abgedruckt haben: Gesendet: Sonntag, 31. Januar 2010 13:35 An:
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Betreff: Ausgabe 112, Seite 34 "Stratabu" - Leserbrief Lieber Paul, liebe DoPo-Redaktion, mit Erstaunen, ja Erschüttern musste ich leider feststellen, dass auch Ihr euch mittlerweile scheinbar gerne des Mittels der Polemik bedient, welches sonst eigentlich hauptsächlich einer Zeitung mit vier Buchstaben zuzuordnen ist. Dass Ihr schon seit längerem nicht mehr objektiv, sondern manipulativ über das Thema 310 berichtet, ist ja noch hinzunehmen, aber der letzte Bericht geht einfach zu weit. Da ist die Rede von "hitzköpfigen Straßenbahngegnern" - als ob die Befürworter immer sachlich und ruhig blieben (siehe euer Bericht). Da wird die Wahl zu einer Abstimmung über die Straßenbahn stilisiert - gerade Ihr solltet wissen, dass es a) noch andere Themen im Bochumer Osten gibt b) ein Großteil SPD wählt, weil er es schon immer getan hat und c) ein Großteil der Wähler gar kein Interesse am Thema Straßenbahn hat, da sie schlicht und einfach nicht direkt betroffen sind. Eine Frechheit sondergleichen ist es aber, die Straßenbahngegner im selben Atemzug mit der NPD zu nennen. So negativ diese Partei und deren Funktionäre zu sehen sind, mit dieser nicht existierenden Zusammenführung entfernt Ihr euch von jeglicher sachlicher Diskussion. Die Wortwahl "selbsternannte Retter der Dorfidylle" spricht für sich. Solche Versuche, Gruppen aufgrund einzelner Personen zu diskreditieren, weil die Argumente ausgehen, kannte ich bisher nur aus dem marktschreierischen US-Wahlkampf. Im Gegenteil dazu möchte ich mit Argumenten aufwarten, die bis heute noch niemand entkräften konnte, vielleicht stellt Ihr euch ausnahmsweise der sachlichen Diskussion und versucht dieses eurerseits: - Eine Minderheit der Langendreerer fährt nach Witten zum Einkaufen (Lieblingsargument der BoGestra), wir haben Bochum und den Ruhrpark - und wenn doch, dafür gibt es die Buslinien 378 und 379. Wenn das Interesse doch so groß ist, wie kommt es dann, das diese Linien so selten voll sind? - Was sollten die Wittener in Langendreer finden, was sie in Witten nicht finden? - Und auch diese könnten auf die beiden Buslinien zurückgreifen. Es gibt genug Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Witten und Bochum zu pendeln, ein weiteres, welches dermaßen in die vorhandenen Lebensumstände eingreift, ist unnötig. Ich bleibe dabei, nur um wahrscheinlich frühzeitig versprochene Bauaufträge mit Hilfe von Landessubventionen durchführen zu können, werden hier direkte Anwohner mit Unannehmlichkeiten während der Bauzeit und danach belästigt, und das mit Geldern, die gerade aktuell woanders besser gebraucht werden könnten. In der Hoffnung bald wieder eine polemik-freie DoPo genießen zu dürfen, Sascha Lange, Exredakteur (lang ist's her)
Anmerkung der Redaktion: Argumente gab's immer! Lieber Sascha, du hast die DOPO zuerst mit dem Computer vertraut gemacht Anfang der neunziger Jahre. Du hast mit uns so manche lange Redaktionsnacht verbracht und unser Stadtteilblatt ins Herz geschlossen. Mit dem STRATABU-Text haben wir eine spezielle Form der Themenverarbeitung gewählt - wie der Name STRAßenTAgeBUch schon andeutet: darstellend, kommentierend, subjektiv, meinend - also kein sachlicher Bericht. Dass es Objektivität nicht gibt, solltest du wissen. Es gibt aber das Bemühen, möglichst viele Argu- mente zu einer Problemfrage zu sammeln und daraus allmählich eine eigene Position zu entwickeln. So sind wir von der DOPO das Thema "310" erstmals mit der Nr.79 (!) im Jahre 1999 angegangen, indem wir damals "Eckpunkte der gemeinsamen Kommunalpolitik im Stadtbezirk Bochum-Ost 1999- 2004" veröffentlichten, in denen zu lesen war, dass "die Verlängerung der Schienenverbindung zum Markt Langendreer vorrangig sein soll." In der Nr. 83, 2000, ließen wir einen ausgewiesenen Verkehrsexperten zu Wort kommen, der die Für- und Wider-Argumente ausführlich un- tersuchte. Auf 5 Seiten ging es in der Nr.85, 2001, in dieser Weise weiter - argumentativ - und 5 Seiten lang war auch in der Nr. 87, 2001, vom 310-Projekt in ausschließlich argumentativer Weise die Rede. Ab jener Ausgabe allerdings kam ein neuer Ton in die Diskussion: Auslöser war eine Aktion von Gegnern des Projekts, die einem Studenten von der Ruhruni übel mitgespielt hatten. Jener Student führte im Rahmen seiner Diplomarbeit eine ergebnisoffene Untersuchung zum Verkehr in Langendreer durch, indem er einen Fragebogen an Haushalte und Geschäfte im Bereich der Unterstraße verteilte. Um den Befragten Portokosten bei der Rücksendung zu ersparen, übernahm er als Empfänger der ausgefüllten Fragebögen die Kosten. Dieses Entgegenkommen machte sich eine Gruppe Unbekannter auf kriminelle Weise zunutzen, indem sie dem Studenten 1000 Fragebögen per Post zuschickte, so dass der Student 1200 DM Portokosten zu zahlen hatte. Der Student stellte sofort Strafantrag, aber ein Täter konnte nicht ermittelt werden. In der Nr.88, 2002, veröffentlichten wir einen dreiseitigen (!) Leserbrief eines Gegners des 310-Projekts, der somit sehr ausführlich seine Argumente darlegen konnte. Ein Befürworter kam in der Nr.99, 2005, entsprechend zu Wort. Du merkst, lieber Sascha, dass wir von der DOPO unsere Linie der Argumentation nicht verließen. In der Nr.101, 2006, bejubelte Willi Wachsam in einer Art Vision die Eröffnung der neuen Straßenbahnverbindung, also kein argumentativer, sondern ein eher satirischer Text. Und dieser Willi Wachsam sorgte mit einem eher polemischen Kommentar in der Nr. 108,2008, mit dem er sich gegen die Gegner des Projekts wandte, für erheblichen Ärger bei einigen Geschäftsleuten aus dem Dorf, die (noch!) Anzeigenkunden der DOPO waren. Zwar argumentierte Willi durchaus, aber durch die Form seiner Aussagen ("Reißt euch zusammen! Benutzt euren Kopf! Informiert euch im Sinne unserer gemeinsamen Zukunft für unsere und die Zukunft unserer Kinder!") fühlten sich einige brüskiert, ja beleidigt. Redaktionsmitglied Pawimö begab sich darauf hin zu dem Geschäftsleute-Stammtisch, also in die Höhle des Löwen, bat für die nicht gewollte Brüskierung und Beleidigung um Entschuldigung und bot für die Zukunft die argumentative Linie für Befürworter und Gegner des 310-Projekts an. Willi Wachsam entschuldigte sich in der Nr.109, 2008, noch einmal öffentlich und die DOPO machte beim seinerzeitigen Weihnachtsmarkt eine Umfrage zum 310-Projekt, deren Ergebnis mit den gesammelten Pround Contra-Argumenten in der Nr.110, 2009, veröffentlicht wurde. Seitdem gibt's das STRATABU, also eine sowohl argumentative, aber auch subjektiv-wertende Textform, in der die laufenden Ereignisse um das Straßenbahnprojekt vorgestellt und kommentiert werden. So, mein lieber Sascha, jetzt noch ein paar Infos über Methoden von Gegnern des Projekts: Das begann damals mit der Postattacke gegen den Studenten - anonym -, das setzte sich fort mit störhaftem Verhalten einiger Gegner bei öffentlichen Veranstaltungen der Verwaltung und Bogestra; Redaktionsmitglied Pa- wimö erhielt einen Brief von einem Anwalt eines 310-Gegners, in dem er mit Bußgelddrohung aufgefordert wurde, eine irgendwann geäußerte flapsige Bemerkung zu einem Straßenbahngegner in einem Geschäft nicht mehr zu wiederholen; es folgte ein anonymer Anzeigenboykottaufruf gegen die DOPO und eine hirnrissige, auch anonyme Kampagne, mit der die Anzeigenkunden der DOPO hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der ausgestellten Quittungen verunsichert werden sollten. Da ist dieser merkwürdige WAZ- Artikel, von dem oben die Rede war, ja geradezu harmlos. Also, lieber Sascha, überprüfe bitte deine Vorwürfe, die du in deinem Leserbrief äußerst. Übrigens diskutieren wir in der Redaktion auch immer mal wieder das 310-Projekt, weil auch wir keine einheitliche Position haben. Komm doch mal wieder vorbei! Wir würden uns freuen. Es grüßt dich herzlich die DOPO-Redaktion
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