Das Letzte...
Naja, wenn ich so aus dem Panoramafenster blicke und alles abstirbt, wird mir schon ein wenig warm ums Herz. Meine Haushälterin Klara Wohltat (ihr wisst schon: das ist die Prüde, die mir immer meine Füße massiert), sagte jedenfalls: "Meister! Der Herbst nahet! Seht nur all die Farben (o.k. vielleicht war sie auf LSD) und bestaunt die Wunder der Natur. Ist es nicht traurig zu sehen, wenn etwas stirbt, was einem Bestimmungsweg diente und zu erfreuen. Sollten wir nicht die Monate genießen, bevor es noch trister werden könnte?" Ich hielt inne im Öffnen der Kaviardose und schickte die anderen Lakaien, die mich massierten und die übliche Maniküre ausführten, aus dem Saal und antwortete: "Klara, mein kleiner, dummer Tropf! Natürlich ist es traurig anzuschauen, wenn etwas stirbt! Aber schau dich an: Dein Lachen stirbt nicht! Du bist stets fröhlich und erfreust dich des Euros, den ich jeden Monat dir bezahle. Steh nicht still, sonst stehst du stille in deinem Denken!" Wir beide hielten inne und sie puhlte etwas Unangenehmes aus meinen Fußzwischenräumen und sprach: "Aber, Herr, ich fürchte mich vor der Kälte! Sie wird kommen! Ich bin sicher! Wer wird mich wärmen und schützen?" Ich erwiderte: "Nun, sicher nicht der Kuchen, der dampfend dort auf der Anrichte steht! Menschen, die du liebgewonnen hast, werden es tun! Und mit ihnen wirst du die Kälte überstehen! Und den Regen, Achselschweiß, Fußgeruch und S-Bahn fahren!" Sie legte den Hornhauthobel zur Seite und blickte mich an. Wohl wissend. Dann sagte sie, die Garnele beiseitelegend, die sie gerade gefunden hatte: "Also sollten wir es genießen, bevor es schlimmer kommt?" "Ganz recht", erwiderte ich, "und jetzt trage mich durch meinen Park, bevor das letzte Blatt fällt!" Kaimi
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