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Der Schutzmann auf Streife

Im herbstlichen Wandel der Natur erfreut sich der Schutzmann an ihrer reichen und reifen Schönheit, die dann abgelöst wird von Gedankengängen zur kühlen, feuchten, wie abgestorben wirkenden Zeit des Suchens nach Wärme und Geborgenheit, des ruhigen Nachsinnens und des ehrenden Gedenkens. Unruhig werden dann manche Menschen in dieser Zeit und traurig, vielleicht weil sie die Angst des Vergehens befällt, vielleicht weil ihnen alles so sinn- los ist, vielleicht weil sie denken, der Tod sei das Ende. "Du bist, was du denkst - und du bist zu dem geworden, was du dachtest", soll Buddha gesagt haben. Wir Menschen sind oft traurig, wenn wir an unsere geliebten Verstorbe nen denken und berühren dabei unsere eigene Grenze auf dem Weg durch die Zeit, der immer auch ein neuer Weg sein kann, fern der Trauer - voller Hoffnung und Erwartung. So kommen wir in die Adventszeit, die so viel Freude auf das Licht und das Unsichtbare weckt.
 Der Schutzmann streift mit seinem Weih nachtsgedicht eine kleine Geschichte, die seinen Freund Heinz und ihn nach einer schweren Zeit des Abschieds sehr berührte. Auf fast unglaubliche Weise waren Botschaften aus dem Reich des Übersinnlichen übermittelt worden. Manche Leute nennen diese Botschaften Zufälle, unverarbeitete Gedankenreste aus dem Wachleben oder funktionslose Überbleibsel aus der Evolution.
 Die treuen Leser der ‚Dorfpostille' werden es vermutlich eher nicht so sehen, war doch vom Wortsinn die ‚Postille' früher eine Texterklärung der Bibel, in der bekanntlich viele Träume angeführt sind. Oft wurden diese Botschaften von Engeln eröffnet. Und wie selbstverständlich machten sich damals Abraham, Maria und Josef… auf zu neuen Wegen.
 Nach dem traurigen Abschied von einem geliebten Menschen waren Jahre vergangen. Da meldete sich eine Mutter, die den Verstorbenen durch ihre Söhne gekannt hatte, um etwas Wichtiges mitzuteilen und mitzubringen - eine Traumgeschichte und ein Bild, das aber noch nicht fertig war. Sie deutete an, dass sie sehr krank sei, verzweifelt war - nahe der eigenen Grenze. Am Abgrund stand sie, als sie in einen Traum fiel. An einem unbekannten Ort näherte sich ihr eine umstrahlte Gestalt - es war der verstorbene Freund ihrer Söhne, der ihr einen neuen Weg wies: "Geh zu meinen Eltern - die wissen Bescheid."
 Nachdem sie sich beim Freund des Schutzmanns gemeldet hatte, machte sie sich zum ersten Mal auf den Weg zu dem Unglücksort, dort, wo sich die Seele des Verstorbenen Jahre zuvor vom Körper gelöst hatte. Sie stand nun auf einem bewaldeten Plateau, nahe dem Abgrund, an dem sie weit über die Klippen ins Tal des Flusses sehen konnte und betete. Und als die Sonne unterging, sah sie das Licht zwischen den Bäumen strahlen - und sie erkannte den Ort. Es war der Ort ihres Traumes. Und wie sie immer noch dort stand, näherte sich ihr - wie von unsichtbaren Kräften gezogen, geführt - der Freund des Schutzmanns, den sie wenige Tage vorher angerufen hatte. Bei dieser ,zufälligen' Begegnung konnte sie ihm alles erzählen und später auch das fertige Traumbild schenken. Heinz war glücklich und lebte weiter mit dem Bild, dass sein Sohn ein strahlender, wegweisender Engel ist. Der Weg, die Entwicklung der Frau bleibt offen - wie alles im Leben.
 In den alten Holzzaun - dort am Abgrund - war ein Spruch geritzt: ‚Man sieht nur mit dem Herzen gut…' - ein erkenntnisreicher Gedanke aus dem zauberhaften Buch ‚Der kleine Prinz' von Antoine de Saint-Exupéry. Wie wahr auch seine Ergänzung: ‚Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar…'
 Aus allem entstand ein eigenes Bild des Schutzmanns und das Weihnachtsgedicht: Engel. Es ist allen zugedacht, besonders denen, die an Engel und an ihre Schutzengel glauben - ein jeder hat sie. Manchmal sind Engel auch nur Menschen - ein Gedanke, der dem Freund Heinz gut gefällt. Sie schenken dann Trost, Unterstützung, Hilfe - oder ein Lächeln. Und für einen Augenblick - oder auch länger - sieht die Welt anders aus. Der Schutzmann glaubt, es gibt viele Engel, die selbst nicht wissen, dass sie es sind oder seien könnten. Man kann es auch üben, ein Engel zu sein und vielleicht mit einem Lächeln beginnen - ein neuer Weg.

Engel

Wenn Unheil drohte, Großes ward verkündet,
Still ihre Botschaften erschienen.
Erwählten zeigten sie sich fest verbündet,
So manchen träumte es von ihnen.
Engel eröffnen einen neuen Weg.

Seit der Geburt und wenn das Leben endet
Begleitend sie an unsrer rechten Seit',
s heißt, dass einer fiel - im Stolz verblendet,
nährt die Versuchung - fern vom Gottgeleit.
Engel eröffnen einen neuen Weg,

Mal sind sie edel - Schützer hell mit Flügeln,
Mal sind sie Klärer - fremd im Men schenkleid.
Mal sind sie Führer über Fels und Hügel,
Mal sind sie Schlichter des Gemüts im Streit.
Engel eröffnen einen neuen Weg.
Sie helfen gerne, schweres Leid zu nehmen,
Sie steh'n bereit, wenn es uns elend geht.
Sie lachen nicht, wenn Schüchterne sich schämen,
Sie trösten dich, wenn jede Hoff nung steht.
Engel eröffnen einen neuen Weg.

Du siehst sie nicht in uns'ren Wirk lichkeiten,
Du hörst sie nicht im Lärm globaler Macht.
Du spürst sie nicht in den Begehrlichkeiten,
Findest sie nicht mit der Gedankenkraft.
Engel eröffnen einen neuen Weg.

Es macht sie froh, wenn du den andren siehst,
Bei Furcht und Not von Deinem gibst.
Sie sind besorgt, wenn du dir selber fliehst
Und nicht mehr fühlst und nicht mehr liebst.
Engel eröffnen einen neuen Weg.

Wenn Muße dich berührt - beschwingt es sie,
Wenn Freude dich durchströmt - erstrahlen sie,
Wenn Ruhe bei dir ist - sanft lächeln sie,
Wenn dieser Friede wirkt - erhebt es sie,
Da du beschreitest deinen neuen Weg.
(Karl Schuran - 1999)

Fröhliche Weihnachten - und ein gesegnetes neues Jahr 2010 wünscht den lieben Lesern der Dorfpostille - von Herzen - der Schutzmann Karl Schuran
 
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