Willi Wachsam:
Mein Jahresrückblick
Tja, Leute, wo soll man da anfangen? Beginnen wir mit der Weltlage und enden wir am Markt von Langendreer: 1. Die große Krise findet noch statt: Weltweit verschärft sich dadurch das Verhältnis zwischen Arm und Reich - auf beiden Seiten wachsen die Zahlen. Hungersnöten stehen Milliardenvergütungen für die gegenüber, die für diese Krise verantwortlich sind. Widersinniger kann sich die globale Weltunordnung nicht präsentieren. 2. Und jetzt wählt unser Volk CDU und FDP in die Regierung, Parteien also, die nach dem großen Krieg eben diese Wirtschaftsunordnung auch für Deutschland etablierten und sie auch weiterhin stabilisieren wollen - von einigen populistischen Korrekturen abgesehen. Im Koalitionspapier ist von einer Veränderung der Strukturen dieser Weltunordnung keine Rede Die Vergütungen für Bankmanager und die Bankengewinne fließen ja wieder in vertrauten Höhen. Was ist denn nur mit dem deutschen Wahlvolk los? Die Schafe wählen ihre Metzger. 3. In Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit wieder an. Nicht nur Karstadt-, Quelle- und Opelmitarbeiter erleben Existenzkrisen, die öffentlichen Haushalte sind längst Pleite, ihr Schuldenstand kaum vorstellbar. 4. Auch Bochum hat ein neues Parlament - trotz einiger bedenklicher Entscheidungen z. B. Crossborder-Projekt und Schuldensteigerung) gibt's wieder Rot-Grün. Was tun in den nächsten Jahren bei der vertrackten Finanzlage? Der Vorschlag, z. B. Jugendfreizeitstätten zu schließen, kann nicht ernst gemeint sein angesichts der Meldungen von wachsender Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und erzieherisch überforderten Elternhäusern. 5. Auch in Bo-Ost regiert wieder Rot-Grün und was der Bezirksbürgermeister im DOPO-Gespräch (s. S. 9) äußert, ist ja ganz in Ordnung. Aber die Angst der Opelaner und anderer von der Wirtschaftskrise Betroffener kann auch er ihnen nicht nehmen.
6. In Langendreer bemühten sich Politik und Geschäftsleute um den Erhalt vorhandener Arbeitsplätze. Dennoch kam es zu Geschäfts- und Betriebsschließungen einerseits, aber auch zu mutigen Neueröffnungen andererseits. Man denke z.B. an die "Marktbörse", an "Ralannika" (s. auch S. 21), an "Blattwerk" oder auch an die "Ruhrpunzel" (s . auch S. 21) und ans Cafe "Cheese" (s. auch S. 18) Und die Geschäftsleute am Alten Bahnhof und im Dorf bemühten sich um Aktionen zur Profilierung unseres Stadtteils durch Frühlings-, Sommer- und Herbstfeste. Was es mit dem "Marktfest" vor einigen Wochen nach einer Initiative eines einzelnen Geschäftsmanns auf sich hatte und was dabei an versprochenem Erlös für Langendreerer Grundschulen/Kindergärten herauskam, werden wir in der nächsten DOPO darstellen. Da besteht noch Klärungsbedarf! - Auch haben Vereine und Verbände wieder ihr Mögliches getan, um das Leben in Langendreer angenehm und attraktiv zu gestalten. - Wurden einerseits etliche Häuser nicht nur klimafreundlich eingedämmt, so entschieden sich auch immer mehr Eigentümer für mehr Farbe an den Fassaden. Langendreer wird bunt - nicht nur bevölkerungsmäßig! - Aber: Langendreer-Dorf verliert auch an Profil: Wieder fiel ein Fachwerkhaus - angeblich das älteste im Dorf - dem Bagger zum Opfer. Hatte sich der ehemalige Eigentümer nicht um Substanzerhaltung des Hauses aus dem 17. Jdt. gekümmert, so hatte der neue Eigentümer offensichtlich ebenso wenig Interesse daran. Der nächste Abbruch wartet - das Haus gegenüber an der Unterstraße! Und so weiter? Damit stirbt auch der Name unseres Stadtteils. Mit dem "Dorf" geht es zu Ende. 7. Jetzt aber der Blick in die Zukunft: Die 310 wird kommen - meint auch unser Bezirksbürgermeister - und die das Straßenbahnprojekt befürwortenden Parteien sind wieder gewählt worden. - Der Kirmesplatz an der Ovelacker Straße wird sein Gesicht verändern: Wohnbebauung! Dass hier wieder mehr Fläche versiegelt wird, ist das Eine. Dass hoffentlich noch mehr Menschen sich für Langendreer als Wohngebiet entscheiden, ist das positiv Andere. - Und dann noch diese Meldung aus der WAZ vom 14.10.09: Die ehemals "Rheinischer Esel" genannte Bahnstrecke, die u. a. Dortmund, Witten und Langendreer verband und seit Jahrzehnten von natürlichem Grün zusehends überwuchert wurde, wird zum Rad- und Wanderweg zurückgebaut! Das Stück zwischen Dortmund und Witten ist schon fertig: "Im Mai 2009 hat die Stadt Witten beschlossen, dass nun auch der westliche Teil des "Esels" von Witten-Mitte bis Langendreer zum Rad- und Wanderweg ausgebaut werden soll." Zur Klärung: Es handelt sich um die kaum noch zu erkennende Bahntrasse, die von der oberen Oberstraße gequert wird, am Krähenwald entlang führt und Richtung Witten schließlich von der Hörder Straße überquert wird. - Dann geht's demnächst von Langendreer direkt ins Ruhrtal hinab. Ist doch auch mal eine schöne Perspektive angesichts der täglichen Horrormeldungen, oder? Ein frohes Fest, guten Rutsch und viel Glück in 2010, das viele unter uns gebrauchen können, wünscht Ihnen Ihr Willi Wachsam.
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